Shortcuts: S:Startseite

Inhalt Navigation Pfadangabe Metanavigation Fußzeile  
Stadt Wien

Schriftgröße

Schrift verkleinern Schrift auf Standardgröße setzen Schrift vergrößern

Kontraste

Kontrast auf Standardwert stellen Kontrast auf Weiß/Schwarz umstellen Kontrast auf Blau/Weiß umstellen Kontrast auf Weiß/Blau umstellen Kontrast auf Gelb/Schwarz umstellen Kontrast auf Schwarz/Gelb umstellen

| Erweiterte Suche
S-O-Ess Startseite
S-O-Ess Banner

Metanavigation

Breadcrumb

Navigationsmenü

Inhalt

900 ExpertInnen bei 4. Wiener Essstörungsenquete

Bewerten Sie die Seite oder/und geben Sie uns Ihr schriftliches Kommentar,
damit wir in Zukunft noch ein besseres Service anbieten können.

Hinweis: Wenn Sie kontaktiert werden möchten, geben Sie uns Ihre Kontaktdaten bekannt.

Bewertung


Wie bewerten Sie den Inhalt bzw. die Übersichtlichkeit dieser Seite?
sehr gut  gut  weniger gut  schlecht 

Kommentar


Möchten Sie zu Ihrer Bewertung einen Kommentar abgeben?
Es interessiert uns, was Ihnen auf der Seite besonders zusagt oder was wir noch verbessern sollten.
Ihr Kommentar

Kontaktinformationen


Bitte kontaktieren Sie mich
Ihr Name
Ihre E-Mail
Telefonnummer, Adresse

Internationale ExpertInnen warnen: Immer mehr Menschen hassen ihren Körper

Mittwoch, 28. Februar 2007

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und der fachliche Austausch standen im Mittelpunkt der Veranstaltung am 26. Februar 2007, die das Wiener Programm für Frauengesundheit in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien organisierte. 900 ExpertInnen aus ganz Österreich nahmen an der Veranstaltung teil und zeigten durch das enorme Interesse, dass das Thema Essstörungen nach wie vor - leider - aktuell ist. Die Tonmitschnitte der Vorträge sowie die Power-Point-Präsentationen können auf www.essstoerungshotline.at/enquete heruntergeladen werden.


Festsaal des Wiener Rathauses - Copyright Andy Brucker Bis zu zwei Prozent der Frauen zwischen 15 und 35 Jahren in Europa und Nordamerika leiden an klinisch ausgeprägter Anorexie ("Magersucht"), bis zu 15 Prozent dieser Gruppe zeigen Symptome von Vorstadien gefährlicher Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie ("Ess-Brechsucht"). Zunehmend häufig wird auch die Binge-Eating-Disorder (BED - "Fresssucht") beobachtet. Während bei Anorexie und Bulimie auf neun betroffene Frauen ein Mann kommt, liegt dieses Verhältnis bei der BED bei 1,5 zu 1. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen zur Entstehung, Prävention und Therapie von Essstörungen standen auf der Agenda der "4. Wiener Essstörungsenquete" im Wiener Rathaus. Mit 900 TeilnehmerInnen ist die Tagung der größte deutschsprachige Kongress zu diesem aktuellen Thema.

Prof. in Susie Orbach: Gefährlicher "Krieg gegen das Übergewicht" - Diäten sind "Eintrittskarte" zu Essstörungen

Univ. Prof. Dr. Susie Orbach, London School of Economics - Copyright Andy Brucker Eine der prominentesten TagungsreferentInnen, Prof. in Susie Orbach (London School of Economics), die unter anderem als Essstörungs-Therapeutin von Lady Di international bekannt wurde, geht scharf mit gängigen Schlankheitsidealen ins Gericht. "Der weltweit ausgerufene Krieg gegen das Übergewicht fordert enorm viele Opfer. Immer mehr Menschen hassen ihren Körper", so die engagierte Psychotherapeutin. Es sei verantwortungslos, dass öffentlich unterstütze Kampagnen und die medizinische Community den Diät-Wahn auch noch förderten, sagt Prof. in Orbach: "Diäten sind nicht nur völlig sinnlos, weil sie einschlägigen Untersuchungen zufolge bei 97 Prozent der Abnehmwilligen zu neuerlichen Gewichtszunahmen und neuerlichen frustrierenden Diät-Versuchen führen. Sie sind auch die Eintrittskarte zu Essstörungen unterschiedlichster Art."

Wesentlich mit verantwortlich für die Unzufriedenheit vor allem vieler Frauen mit dem eigenen Körper und der damit einher gehenden Gefährdung, ein problematisches Essverhalten zu entwickeln, sind vor allem medial transportierte unrealistische Schönheitsideale, die extreme Schlankheit zum Prinzip der Körperästhetik erheben. Wie sehr diese beeinflussen können, habe besonders eindrucksvoll die so genannte Fidji-Studie gezeigt, betont Prof. in Orbach. Auf der Pazifik-Insel konnte erst ab 1995 Fernsehen empfangen werden. Innerhalb von drei Jahren danach, so zeigte eine Untersuchung von Prof. in Anne Becker von der Harvard-Universität, entwickelten zwölf Prozent der heranwachsenden Mädchen Symptome von Bulimie - einer bis dahin auf der Insel völlig unbekannten Erkrankung. "Es gelingt uns tatsächlich, Unsicherheit über das eigene Erscheinungsbild und Körperhass zu einem wesentlichen Exportartikel der westlichen Welt zu machen", kritisiert Prof. in Orbach.

Mütter geben Essstörungen an Kinder weiter

"Mädchen und Frauen beschäftigen sich heute ein Leben lang mit der Frage, ob ihre Körpermaße den Idealbilder entsprechen - von Fünfjährigen, die ihren Popidolen nacheifern, über junge Mütter bis hin zu immer mehr älteren Frauen", beobachtet Prof. in Orbach. Besondere Sorge bereitet ihr die Tatsache, dass problematisches Essverhalten häufig von Müttern an ihre Kinder weitergegeben wird. "Ein Extrem ist hier sicher der zuletzt unter Prominenten zu beobachtende Trend, in der 36. Schwangerschaftswoche einen selektiven Kaiserschnitt einzuleiten, um weniger zuzunehmen und rascher wieder schlank zu werden", kritisiert Prof. in Orbach. "Aber auch in weniger ausgeprägten Formen stört die ständige Beschäftigung einer jungen Mutter mit ihrem Gewicht die Entwicklung eines natürlichen Ernährungsverhaltens beim Nachwuchs, Kinder wachsen von Anfang an mit völlig verwirrten Konzepten von Appetit und dessen Befriedigung heran."

Dr. in Wardetzki: Angehörige zwischen Co-Abhängigkeit und Resignation

Schwierig in der Bewältigung sind Essstörungen nicht nur für die Betroffenen selbst, auch für Angehörige stellen sie eine enorme Belastung dar. Wobei zunächst oft Verleugnung und Verheimlichung dominante Elemente sind, weiß Dr. in Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin in München, die sich intensiv mit Angehörigen von Essstörungs-Erkrankten beschäftigt. "Bis die Angehörigen von der Krankheit erfahren, können Jahre vergehen, in denen die Schwester oder Tochter ihre Eß-Brechanfälle oder ihre Essensverweigerung geheim hält", weiß Dr. in Wardetzki aus Erfahrung. Die mangelnde Information vieler Eltern über derartige Erkrankungen sei nur eine Ursache für die späte Thematisierung des Problems in der Familie, so die Expertin: "So wie die Süchtigen lange Zeit ihre Krankheit vor sich und den anderen verleugnen, tun es auch die Angehörigen, wenn sie einen Verdacht hegen. Oft sind es Angst und Hilflosigkeit und der Wunsch nach einer heilen Familie und Partnerschaft, die sie wegschauen lassen. Doch diese Haltung verstärkt die Essstörung noch mehr."

Fatal in der Beziehung zwischen Betroffenen und Angehörigen sei auch das verbreitete Phänomen der so genannten Co-Abhängigkeit, betont die Münchner Therapeutin: "Angehörige entwickeln dabei die Tendenz, das eigene Tun von der erkrankten Person abhängig zu machen und sich nur noch auf die Erkrankung zu konzentrieren. Eigene Wünsche und Bedürfnisse werden zurück gestellt. Diese Hinwendung kann ihrerseits süchtigen Charakter annehmen, wenn die helfende Person nicht mehr aufhören kann zu helfen und sich dem oder der Kranken so verbunden fühlt, dass sie nicht mehr loslassen kann."

Prof. in Beate Wimmer-Puchinger: Prävention muss auch positive Körperwahrnehmung stärken

Wie wichtig Präventions- und Aufklärungsinitiativen zu fatalen, unerreichbaren Körperidealen und Essstörungen sind, unterstreicht auch die Ao. Univ. Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Wiener Frauengesundheitsbeauftragte - Copyright Andy Brucker Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Prof. in Beate Wimmer-Puchinger anhand aktueller Erhebungen aus der Bundeshauptstadt. Für geschätzte 2.000 Mädchen besteht in Wien akutes Anorexie- oder Bulimie-Risiko. Österreich weit gehen ExpertInnen davon aus, dass 200.000 Frauen zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung erkranken. Mit dramatischen Konsequenzen: Magersucht etwa hat mit 18 Prozent nach 20 Jahren die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Erkrankungen, Anorektikerinnen zwischen 15 und 24 Jahren haben internationalen Daten zufolge ein zwölfmal höheres Mortalitätsrisiko als gesunde Gleichaltrige .

Mit ein auslösender Faktor ist die enorm kritische Sichtweise des eigenen Körpers. 90 Prozent der Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren und 80 Prozent der erwachsenen Frauen, so zeigten zwei Wiener Untersuchungen, sind mit ihren Körperproportionen unzufrieden, 82 Prozent der Mädchen und Frauen haben Angst davor, an Gewicht zuzulegen, berichtet Prof. in Wimmer-Puchinger. Wobei solche Sorgen völlig unabhängig von der Realität sind: "52 Prozent der Mädchen haben schon einmal eine Diät gemacht, ohne tatsächlich übergewichtig zu sein", so die Frauengesundheitsbeauftragte. In amerikanischen Studien sind es sogar 70 Prozent der Schülerinnen. "15 Prozent der jungen Frauen gaben auch an, schon absichtlich erbrochen zu haben, um ihr Gewicht zu verringern." Entsprechend häufig stehen bei Diäten nicht gesundheitliche Überlegungen im Mittelpunkt, wie eine im Februar 2007 veröffentlichte Umfrage im Auftrag der Stadt Wien gezeigt hat: 59 Prozent der befragten Frauen, die bereits mindestens eine Diäterfahrung gemacht haben, gaben als Motiv an "um attraktiver zu sein", für 56 Prozent ging es darum, "das Selbstwertgefühl zu steigern."

Ein wichtiger Ansatz in der Prävention der gefährlichen Erkrankung sei es daher, so Prof. in Wimmer-Puchinger, vor allem bei jungen Frauen im Schulalter Risikofaktoren zu minimieren und schützenden Faktoren zu stärken. Eine Studie der kanadischen Psychologin Prof. in Niva Piran, University of Toronto, hat erst kürzlich gezeigt, dass systematische Präventionsprogramme in Schulen, die nicht nur auf Informationsweitergabe setzen, sondern vor allem auch auf eine Einstellungsänderung über Peer-Gruppen-Arbeit, besonders nachhaltigen Erfolg zeigen.

Wien seit Jahren aktiv

Dass die aktuelle internationale Tagung in der österreichischen Bundeshauptstadt stattfand, ist kein Zufall. Wien ist in Sachen Prävention von Essstörungen seit 1998 aktiv und startete als erste europäische Stadt im Rahmen des Frauengesundheitsprogramms eine umfassende Initiative zu diesem Thema. Seit Jahren erfolgreich ist die kostenlose anonyme Hotline 0800 20 11 20 für Betroffene und Angehörige, über die bereits mehr als 13.000 Personen persönlich beraten wurden. Darüber hinaus wurde ein umfassendes Netzwerk mit Schulen aufgebaut, über das mehr als 20.000 SchülerInnen erreicht und informiert werden konnten. Erst kürzlich wurde die Initiative "S-O-Ess" ins Leben gerufen, eine gemeinsame Initiative von Politik, Mode und Werbung zur Förderung des Verantwortungsbewusstseins in Sachen Schlankheitsvorbilder.


Download: VorträgeBilder

Dateien

Diese Seite  Drucken drucken  Weiterempfehlen weiterempfehlen  Bewerten bewerten