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Elisabeth Sereda
Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Wir haben genug zu essen. Wir können uns der Information über gesunde Ernährung nirgendwo entziehen. Wir haben Zugriff auf Bio-Nahrungsmittel. Wir können es uns leisten.
Trotzdem steigt der Prozentsatz der Essstörungen. Warum? Weil wir vom Modelbusiness und Hollywood – und Hollywood wiederum auch in erster Linie vom Modelbusiness – von Schönheitsidealen geprägt sind, die nicht nur unrealistisch aussehen sondern es auch sind. Wer wie ich diese sogenannten ‘Vorbilder’ in Natura sieht, weiß wie viele in Wirklichkeit grau, farblos, ausgezehrt, ja: krank wirken. Als Angelina Jolie – nicht aufgrund von Essstörung sondern aus dem verständlichen Stress einer Mutter von vier Kleinkindern, die nebenbei auch noch einen physisch anstrengenden Actionfilm dreht - Arme wie ein Biaffra-Baby hatte, war sie höchst unglücklich mit ihrem Aussehen. Seit sie schwanger ist und den Stress aus ihrem Leben entfernt hat, strahlt sie nicht nur von innen sondern auch von außen.
Hundertmal lieber Scarlett Johansson mit ihren natürlichen Rundungen und dem Hang zum Vanillepudding als Katie Holmes, die die Kalorien in der Zitronenscheibe in ihrem Mineral zählt. Katie und ihre Freundin Victoria Beckham sind keine Vorbilder sondern Mittel zur Abschreckung und ein Fall für den Psychiater. Denn wenn Essstörungen nicht nur aus falscher Idol-Verehrung entstehen sondern psychische Gründe haben, muss sofortige Hilfe her. Denn dann haben sie mit mangelnder Selbstliebe zu tun.
Sich selbst so annehmen wie man is(s)t. Das Dessert nicht auslassen, weil man um die Wespentaille Angst hat. Leben ohne Lebensfreude ist kein Leben. Uns in unserer Wohlstandsgesellschaft durch falsche Vorbilder kaputt machen zu lassen – DAS können wir uns NICHT leisten.
Zur Person:
Elisabeth Sereda ist Hollywoodkorrespondentin für ATV (Hi Society) und die Wochenzeitschrift LIVE, sowie freie Journalistin für mehrere deutsche und österreichische Medien.
Die geborene Wienerin lebt zum Großteil in Venice, Kalifornien.
Ihre Karriere begann sie mit 15 – neben dem Gymnasium – als Gestalterin, Interviewerin und Moderatorin für Ö3. Mit 21 wanderte sie nach Los Angeles aus.
Sie ist die einzige österreichische Jurorin für die Wahl der Golden Globes.
Als Autorin schrieb sie zwei Bücher, “Starporträt” und “Jenseits von Glanz und Glamour: Hollywood Backstage” (erhältlich bei www.skip.at)
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